Röösli Tip

SITZT MEIN SATTEL GUT?


«Leider trauen sich die Reiter heutzutage immer weniger zu, den Sattel selbst zu überprüfen. Eine jährliche Kontrolle durch einen Fachmann finde ich gut, die Selbstkontrolle ist jedoch genauso wichtig», verdeutlicht Röösli und fährt fort: «Denn wenn man einen offenen Widerrist vorfindet oder das Pferd bereits unter einem Satteldruck leidet, hätte man schon viel früher reagieren müssen. Wenn einem das Tier wichtig ist, sollte man sich auch für sein Wohlbefinden

interessieren.»

Der Reiter solle zuerst auf das eigene Gefühl hören und sich während des Reitens folgende Fragen stellen:

  • Sitze ich am richtigen Ort?
  • Ist es mir grundsätzlich wohl im Sattel?
  • Oder muss ich mich nach vorne oder hinten beugen?
  • Wie läuft das Pferd? Geht es locker und gelöst?
  • Kaut es sauber ab?
  • Verteidigt es sich bereits, wenn ich mit dem Sattel komme?


Um weitere Missstände zu prüfen, drückt man den Sattel längs mit beiden Händen fest an den Bauch, um die Längselastizität des Baumes zu testen. Falls er  gebrochen wäre, gibt er extrem nach. Auch das Kopfeisen sollte man kontrollieren. Hierzu drückt man die Pauschen gegeneinander. Das Kopfeisen muss fix sein, darf leicht federn, sollte aber nicht zu sehr nachgeben. Ein Vollschalensitz gibt gar nicht nach.
Anschliessend bindet man das Pferd am besten im Stallgang an. Den Sattel legt man ohne Sattelunterlage auf den nackten Rücken seines Vierbeiners. Danach kontrolliert man mit etwas Distanz von der Seite, ob sich der Tiefpunkt des Sattels schön in der Mitte befindet und ob der Sattel nach wie vor hinter der Schulter liegt. Ausserdem muss Folgendes einer Kontrolle unterzogen werden:

  • Ist die Auflagefläche genügend gross?
  • Oder wippt er, wenn sich das Pferd etwas bewegt?
  • Besteht genügend Widerristfreiheit auch mit Reitergewicht? Es müssen zwei bis drei Finger Platz haben.
  • Ist die Kammer (Abstand zwischen den Kissen) genügend breit (sechs bis acht Zentimeter)?
  • Ist das Schweissbild nach dem Reiten regelmässig? Oder gibt es trockene Stellen?

Achtung: Im Bereich der Sturzfeder, wo die Bügelriemen befestigt sind, besteht ein ungefähr handgrosser Fleck, der meistens trocken bleibt. Das ist normal, da hier keine Luft hinkommt. Wenn es jedoch in der Mitte trocken bleibt, ist dies kein gutes Zeichen.
Im Zweifelsfall sollte man den Fachmann lieber früher als später fragen.

Ratgeber Sattel

Bericht im Magazin Kavallo 5/2017. Anhand informativer Fotos sehen Sie wie Urs Röösli prüft ob der Sattel sitzt.

rooslisaddle.pdf